Bremerhaven Stipendium

Manfred Pernice

 

Manfred Pernice baut neben raumgreifenden auch mittelgroße Skulpturen und kleine Modelle aus Pappe, die Entwürfe für weitere Projekte sein können, aber nicht müssen. Das Modell ist ein Zwischenschritt zu einem größeren Objekt oder bleibt einfach Modell. Pernice verwendet Billigmaterial wie Pressspan, Kanthölzer oder standardisierte Spanplatten. Die formale Gestaltung seiner Skulpturen ist weder ambitioniert noch monumental, weder elegant noch schön. Vielmehr betont die Skulptur das Unfertige, das Provisorische, das Fragmentarische, dennoch bleibt nichts dem Zufall überlassen. Hier ist gesägt und getackert, dort geschraubt und verzahnt worden. Hier ist nichts geschönt und versteckt. Die Skulptur ermöglicht eine Orientierung des Betrachters, ohne unmittelbar ihr Geheimnis preiszugeben. Seine Skulpturen treten uns als ein heterogenes Etwas gegenüber und nicht als ein Ding an sich. Sie sind in der Lage, ihre Umgebung neu zu strukturieren, Orte im Raum zwingend zu definieren und zu einer neuen Raumerfahrung beizutragen. Pernice setzt Inneres und Äußeres, Nähe und Ferne zueinander in Widerspruch, verzerrt Maßstäbe und Relationen und bezieht sich auf gesehene Orte und Räume - konstruiert sie aber immer wieder neu. Das Aufeinandertreffen unterschiedlich definierter Räume ist sein zentrales Thema: Räume in ihrer spezifischen architektonischen Form, Räume in ihrer sozialen und funktionalen Struktur, Räume zwischen innen und außen, Räume als tatsächliche Orte in ihrer Materialität. Beispielsweise greift die Arbeit mit dem Titel „Tonne 2” maritime Aspekte auf, zitiert eine Tonne und deren Architektur, die eine Bezeichnung für Seezeichen im maritimen Zusammenhang ist. So ist ein tatsächlicher Ort entstanden, der auf Maritimes anspielt.

Manfred Pernice
1997/1998

Geboren 1963 in Hildesheim

1984 - 1987 Studium der Grafik und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig

1988 - 1993 Studium der Bildhauerei an der Hochschule der Künste, Berlin

1994 Meisterschüler an der Hochschule der Künste, Berlin

Lebt in Berlin

zurück