Bremerhaven Stipendium

Paloma Varga Weisz

 

Schlichte Formen und majestätische Haltung sind charakteristische Merkmale der Skulpturen von Paloma Varga Weisz. Androgynität, Weiblichkeit oder christliche Mythologie sind Themen, um die ihre Arbeiten kreisen. Sie selbst ist an einer Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Oberbayern ausgebildet, bevor sie an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat. Ihre Figuren und Körper schält sie Schicht um Schicht aus Lindenholz heraus. So scheint die rund 30 Zentimeter große Skulptur regelrecht aus der unbehandelten Rinde des Baumes herauszuwachsen. Dieses aus Holz geschnitzte und anschließend abgeflammte Männchen, dessen Körper mit Ausbuchtungen, Beulen und Pusteln überzogen ist, irritiert bereits durch seine irreal-tragische Anatomie. Das Gesicht der Skulptur wirkt wie eine Maske, verschlossen und entrückt. Gesicht, Haltung und ein in sich versunkener Blick lassen beim Betrachter ambivalente Gefühlswelten in Wallung geraten. Mitleid wie Abscheu scheinen sich gleicherweise einzustellen. Es mutet zunächst anachronistisch an, sofern in unserer Welt der Datenhighways und digitaler Bilder in einer Weise gearbeitet wird, die eher in der Tradition eines Tilmann Riemenschneider steht. Allerdings wird hier von ihr keineswegs handwerkliches Können pathetisch zelebriert oder gar manieristisch überhöht. Ebenso wenig ist dieser Aspekt des Handwerklichen als Rückzug auf traditionelles Terrain zu deuten. Vielmehr ist ihrer Kunst eine Funktion eigen, die wir im zeitgenössischen Diskurs leider zu selten antreffen: die der Verlangsamung. Ihre Arbeiten sind Ausdruck einer skulpturalen Strategie und Haltung, die der Schnelllebigkeit unserer Zeit, die dem Postulat ständiger Innovation oder der populären Losung „schneller, höher, größer” das Moment der Verlangsamung entgegengesetzt, ohne sich dabei der Zeitgenossenschaft zu verweigern. Wir treffen auf eine narrative Haltung, die Emotionen auslöst, ohne in privater Gefühlsduselei zu verharren und Betroffenheitsgeschwafel entstehen zu lassen.

Paloma Varga Weisz
2000/2001

Geboren 1966 in Mannheim

1987 - 1990 Ausbildung als Holzbildhauerin an der Berufsfachschule des Bezirks Oberbayern

1990 - 1998 Studium an der Kunstakademie, Düsseldorf, bei Tony Craig und Gerhard Merz

Lebt in Düsseldorf

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