Bremerhaven Stipendium

Sergej Jensen

 

Zwar weisen Sergej Jensens Arbeiten Affinitäten zu abstrakten Malereikonzepten der Moderne auf. Trotzdem gelingt es ihm, sich einer Einvernahme durch die Kunstgeschichte zu widersetzen. Im Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung steht die Frage, was dieses Medium, dessen Ende mehr als einmal prognostiziert wurde leisten kann. Vornehmlich agiert der 1973 geborene Künstler mit einem geometrischen Formenvokabular und verwendet unterschiedliche Bildträger. Neben Leinwand kommt ein regelrechtes Patchwork von Textilien zum Einsatz: feine Seide, grobe Jute, Jeansfetzen, Zeltflicken, und Strick. Sein Umgang damit ist höchst unkonventionell. Stoffe werden aus dem Fenster gehängt, bis sich der Schmutz der Luft abzeichnet, oder mit Bleiche und Chlor behandelt. Malerei wird nicht nur an dem Träger Leinwand festgemacht, sondern in der Benutzung scheinbar malereifremder Materialien erweitert. Ebenso werden Geldbeutel, die in der Zeit des bargeldlosen Geldtransfers mehr und mehr zum Relikt vergangener Zeiten avancieren, zum Bildträger. Jensen hat diese ausrangierten Beutel minutiös in Reih und Glied aneinandergefügt und zur Leinwand zusammengenäht. In ihrer puren Materialität belassen gleichen sie einem Stoffbild und können als Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln gedeutet werden. Auf der von Nähten durchgezogenen Leinwand laufen im unteren Teil des Bildes zwei keilförmig angelegte gelbe Dreiecke aufeinander zu. „Goldenes Land – Goldene Straße” lautet der Titel dieser Arbeit. Klare Formensprache einerseits und die haptischen Eigenschaften der eingesetzten Materialien andererseits schaffen ein eigenartiges Spannungsgefüge. Jensens Werk belegt eindrucksvoll, dass auch in der heutigen Zeit, in der eine neue Gegenständlichkeit den Kunstbetrieb erobert hat, abstrakte Malerei möglich ist, ohne auf Sinnlichkeit und Poesie zu verzichten.

Sergej Jensen
2004

geboren 1973 in Maglegaard (Dänemark)

Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt/ Main, bei Prof. Thomas Bayrle

Lebt und arbeitet in Berlin

zurück