Bremerhaven Stipendium

Stephan Kern

 

Die Arbeiten von Stephan Kern sind vornehmlich flächendeckende Installationen aus Eisenstangen, Ringformen, Lochblechen, Winkeln und dergleichen mehr. Auf den ersten Blick erinnern seine mehrteiligen Ensembles an abgelegte Ausschussware aus dem Baustoffhandel oder an ein wohl sortiertes Lager von Industriefundstücken. Erst auf den zweiten Blick verflüchtigt sich ihr Fundstückcharakter. Vielmehr sind es industriell vorgefertigte Stücke, die bearbeitet und zu einer eigenen Form gefügt werden. Hier wird gebogen, dort gegossen, hier die Oberfläche poliert, dort lackiert und farbig gefasst. So entstehen absurde Dinge, die sich gegen jeglichen Gebrauch und Nutzen sperren. Auch greift Stephan Kern auf Beton- und Steingüsse zurück. In seinen Ensembles gibt es keine hierarchischen Prinzipien, weder ein eindeutiges Zentrum noch eine exakt zu bestimmende Peripherie, weder einen erkennbaren Beginn noch ein wirkliches Ende. Die scheinbar willkürlich auf dem Boden verstreut liegenden Elemente wecken Assoziationen an kristalline Formen, Fragmente aus der Industriegesellschaft oder architektonische Versatzstücke. Sie scheinen dem Betrachter den Weg zu verstellen, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Formen beziehen sich aufeinander und lassen eine Ordnung erkennen, die sich wiederum selbst relativiert. Hier kontrastieren Stoffe im Rohzustand mit glänzend metallischer Oberfläche, exakte geometrische Formen mit fragmentarisch angedeuteten. Schweres erscheint auf einmal leicht und Leichtes wird allzu gewichtig. Diese Elemente bewähren sich fernab jedweder Nützlichkeit, indem sie zu etwas Anderem werden und ein neues Dasein erhalten, einzig und allein ausgesucht und zusammengestellt, um ein Kunstwerk zu bilden.

Stephan Kern
1994/1995

Geboren 1955 in Ludwigshafen

1978 - 1983 Akademie der Bildenden Künste, München, bei K.F. Dahmen und Fritz G. Scheuer

Lebt in München

zurück