Bremerhaven Stipendium

Ceal Floyer

 

In Ceal Floyers Videos, Installationen und Skulpturen sind die verwendeten Komponenten sichtbar. Nichts ist versteckt. Jegliche Hermeneutik ist ihren Arbeiten fremd. Die Installation „Scale” – für die sie 2007 den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst erhielt – besteht aus 24 treppenartig an die Wand angebrachten Lautsprechern, aus denen immer derselbe Klang ertönt, nämlich Schritte auf einer Treppe. Was der Betrachter hört, ist das, was er sieht. Zufällige Beobachtungen sind häufig Grundlage ihrer Arbeiten. Jedoch vermitteln sich ihre Arbeiten nicht nur über das, was sichtbar oder greifbar ist. Das nicht Sichtbare, das verborgene Potential steht im Focus. Ein weiterer Aspekt ihrer Arbeiten sind die aus dem Englischen geformten Sprachspiele, die sich aus deren Beziehung zum Titel ergeben. Zum Beispiel die Arbeit „Nail Biting Performance”. In der englischen Sprache bedeutet „nail biting” Nägel kauen und gleichzeitig wird damit eine riskante Tätigkeit beschrieben. Die Performance wurde 2001 in der Konzerthalle von Birmingham aufgeführt. Ceal Floyer stellte vor Beginn eines klassischen Konzertes eine Frau auf die Bühne, die vier Minuten lang nichts anderes tat, als an den Nägeln zu kauen. Die 1968 geborene Künstlerin nutzt diese Doppelbedeutung für ein Vexierspiel mit den Erwartungen des Publikums. Eine andere Arbeit ist betitelt mit „Ink on Paper”, die genau das zeigt, nämlich Tinte auf Papier. Floyer hat Filzstifte zu kreisrunden Flecken auslaufen lassen, die sie im Ausstellungsraum nach Farben geordnet nebeneinander hängt. In „Pen on Paper” hat sie über Jahre zusammengetragene Zettel versammelt, wie sie in Schreibwarenläden zum Ausprobieren von Stiften ausliegen. Ihr Abschiedsgeschenk ist ein Video aus der Reihe der „Road Movies”. „Monochrome Edit (Red)” lautet der Titel der Arbeit. Der Autoverkehr ist reduziert auf rote Autos, welche in Endlosschleife immer wieder am Betrachter vorbeirauschen. Ceal Floyer verzerrt gekonnt die Realität ins Absurde und entwickelt Szenarien, die dem Betrachter zunächst vertraut sind, dann aber gebrochen werden.

Ceal Floyer
2006

Geboren 1968 in Karachi, Pakistan

1991 - 1994 Studium am BA Goldsmiths College, London

Lebt in Berlin

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