Bremerhaven Stipendium

Dirk Bell

 

Vornehmlich sind Science-Fiction, Comics und Fantasyfilme der Fundus, aus denen Bell schöpft. Die Welt des Perry Rhodan, der mit seinen Mitstreitern verhindert, dass die Menschheit vom Bösen verführt wird. Die Welt des John Sinclair, der als Oberinspektor bei Scotland Yard ständig gegen Dämonen, Zombies, Werwölfe und Vampire kämpft. Und die Welt des Frank Fazetta, einer der bedeutendsten Fantasy- und Science-Fiction-Illustratoren. Referenzen, die seine künstlerische Entwicklung nach wie vor nachhaltig bestimmen. Aber auch Symbolismus und Surrealismus bilden das Repertoire, dessen sich Dirk Bell bedient und an dem er sich abarbeitet. Großformatige Zeichnungen, Malereien und Installationen kennzeichnen das Werk des 1969 geborenen Künstlers. Seine Arbeiten spiegeln die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Die alte Vorstellung von der Kunst als Traumwelt scheint bei Bell eine Renaissance zu erfahren. Aber Vorsicht! Die Doppelbödigkeit der Arbeiten lässt die Sehnsucht nach Traumwelten zweifelhaft werden. Ohnehin ist Bell die verklärte Schwärmerei der Romantik fremd, ihn reizt die Verschränkung widerstreitender Elemente wie Gut und Böse, Feuer und Eis, Tag und Nacht, Licht und Schatten. Diese gegensätzlichen Referenzsysteme erfahren eine ambivalente Deutung. Typisch für seine Arbeiten ist die geheimnisvolle Darstellung von Landschafts- und Figurenkompositionen mit altmeisterlicher Wiedergabe der Details. Dirk Bell hinterlässt der Seestadt ein „New Men” genanntes Computerspiel. Sein Spiel knüpft an den Trickfilm „Balance” (1889) von Wolfgang und Christoph Lauenstein an. Der Film zeigt eine Gruppe von menschenähnlichen Gestalten, die sich auf einer frei schwebenden Plattform befinden. Die Plattform kann nur in Balance gehalten werden, indem alle Personen ihr Gewicht gleichmäßig verteilen. Doch der Wettstreit um eine Kiste gefährdet das lebenswichtige Gleichgewicht. Auch bei dem Spiel von Bell ist Balance zu halten, während man Objekte der Kategorien „Liebe” und „Freiheit” sammelt. Zum Spiel gehört ein Ambigramm, das aus dem VW-Logo abgeleitet ist. Das Emblem kann sowohl als romantisch idealisierter Zustand von Männlichkeit sowie als Annäherung der Geschlechter gedeutet werden.

Dirk Bell
2010

Geboren 1969 in München

1994 -1998 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig, bei Prof. Walter Dahn

Lebt in Berlin

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