Bremerhaven Stipendium

Gereon Krebber

 

Gereon Krebber arbeitet weder mit dem Beitel von außen nach innen noch erschöpfen sich seine Arbeiten in einer Thematisierung des Verhältnisses von Fläche, Raum und Volumen. Ebensowenig treten seine Skulpturen als ein geschlossenes und in sich ruhendes Ding auf, das der Betrachter ehrfurchtsvoll umschreitet, um von seiner Aura zu partizipieren. Vertraut wie fremd, abwesend wie präsent, ernst wie heiter treten uns seine Arbeiten gegenüber. Der 1973 geborene Künstler deutet Querverbindungen an, macht Verständnisangebote ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Banale Materialien wie Haferflocken, Frischhaltefolien, Luftballons, Zahnpasta, Gelantine und dergleichen werden zu überraschenden skulpturalen Konstellationen verknüpft. Oberflächenstruktur und räumliche Qualität dieser Materialien stehen im Focus seines Interesses. Gekonnt arbeitet Krebber mit den Divergenzen von Form und Masse, Oberfläche und Material. So umwickelt er beispielsweise Luftballons mit Frischhaltefolie zu einer nahezu monumentalen Arbeit. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, was die Folie umhüllt. Die Skulptur suggeriert Gewicht, aber der Schein trügt. Allerdings verlieren sich seine Arbeiten weder in der Vordergründigkeit oberflächlicher Materialreize noch erschöpfen sie sich im klassischen Bezugsrahmen von Wesen und Erscheinung. Die Arbeiten negieren eindeutige Bezüge, sie schweben und sind dennoch körperlich präsent, wachsen organisch, obwohl banale Materialien aus dem Baumarkt zum Einsatz kommen. Gereon Krebber beherrscht die Balance scheinbar widersprüchlicher Elemente und eröffnet dem Betrachter ein weites Assoziationsfeld. Seinem Werk liegt ein Begriff des Skulpturalen zugrunde, der auch auf der Ebene von Bedeutung und Imagination angesiedelt ist. Im Keller des Hauses in der Gartenstraße 5 entdeckte Krebber Reste eines stark verkohlten Sofas, das er nochmals „abfackelte” und mit schwarzer Farbe besprühte. Das Sofa wurde also einem weiteren Verfallsprozess ausgesetzt. Übrig geblieben ist eine skelettartige Skulptur, die nun in Bremerhaven verbleibt. Eine Skulptur, die Verfall und Endzeitstimmung verbreitet, aber auch an Gegenläufiges denken lässt, an „Utopia”, den im Jahr 1516 von Thomas Morus verfassten philosophischen Dialog.

Gereon Krebber
2009

Geboren 1973 in Oberhausen

1993 - 1994 Studium generale, Leibniz-Kolleg, Tübingen

1994 - 1995 Studium an der Kunstakademie, Düsseldorf, Orientierungsbereich bei Prof. Luise Kimme

1995 - 2000 Studium an der Kunstakademie, Düsseldorf, bei Prof. Tony Cragg und Prof. Hubert Kiecol

2000 - 2002 Studium am Royal College of Art, London, MA Fine Art Sculpture

Lebt in Köln

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