Bremerhaven Stipendium

Jordan Wolfson

 

Jordan Wolfsons Installationen und Videoarbeiten sind streng konzeptuell ausgerichtet und überzeugen gleichermaßen durch Ironie und Melancholie. Die 20minütige Videoprojektion „Con Leche” (2009) kommt zunächst recht harmlos daher. Die Hauptdarsteller in diesem Film sind zeichentrickanimierte Diet Coke-Flaschen auf Kinderbeinchen, die einzeln oder in Gruppen durch eine real gefilmte trostlose Stadtlandschaft (Detroit) wandern, wobei Milch aus ihren geöffneten Hälsen schwappt. Ständig wackelt das Bild, dreht und überschlägt sich. Allerdings ist diesen lustigen Bildern eine Tonspur unterlegt. Die Off-Stimme einer professionellen Werbesprecherin verliest Texte, die weder etwas mit den Flaschen noch mit den bewegten Bildern zu tun haben. Die Texte hat der 1980 geborene Künstler im Internet recherchiert. Themen wie Wiedergeburt, Kokainskandale und Tipps zur Selbstverteidigung werden angesprochen. In unterschiedlichen Zeitintervallen unterbricht Wolfson die Sprecherin und gibt Regieanweisungen, sie möge lauter, schneller oder langsamer sprechen. Jordan Wolfson liebt das Spiel mit Mehrdeutigkeiten und setzt gekonnt auf Ambivalenzen. Cola-Flaschen sind mit Milch gefüllt, für die sogenannte Dritte Welt alltägliche Bilder, bei uns lösen sie Kopfschütteln aus. Somit werden Bilder aus ihrem angestammten Kontext gelöst und neue Bedeutungsebenen entstehen. Die Cola-Flaschen verweisen auf die Popart, Detroit steht für den Niedergang der amerikanischen Autoindustrie, die Anweisungen Wolfsons an die Sprecherin thematisieren das eigene Künstlerbild. Andeutungen, die so komplex sind, dass sie Platz lassen für eigene Interpretationen. Sein Gastgeschenk ist ein Drehbuch von William Tortorelli. Das Drehbuch war Bestandteil seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland in der Galerie Johann König (2007). Die Ausstellung bestand aus sechs Arbeiten: einem Lichtschalter, einer Zeichnung, einem 16mm-Film, einem Fernrohr und zwei Fotografien. Der Schalter entstammt dem Stromsystem des Empire State Buildings. Als Wolfson den Schalter abholte, erklärte ihm der 76jährige Elektromeister des Empire State Buildings, Mr. Tortorelli, dass er ein Drehbuch geschrieben hätte. Erzählt wird die Geschichte eines Elektromeisters des Empire State Buildings, der seinen Job aufgibt, um auf anderen Wegen zu mehr Erfolg zu gelangen. Durch seine ehrgeizigen Bestrebungen wird sein Leben immer komplizierter und komplizierter – eben ein Drehbuch.

Jordan Wolfson
2007/2008

Geboren 1980 in New York

1999 - 2003 Studium an The Rhode Island School of Design, Providence RI

2001- 2003 Studium am Konstfack College of Arts & Krafts, Stockholm

Lebt in Berlin und New York

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