Bremerhaven Stipendium

Paul Schwer

 

Paul Schwer springt leichtfüßig über Gattungsgrenzen. Seine Arbeiten sind weder der Malerei noch der Skulptur unmittelbar zuzuordnen. Ambivalenzen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Zum einen arbeitet Schwer mit den klassischen Mitteln der Malerei wie Farbe und Licht. Zum anderen befreit er sich von der Zweidimensionalität der Malerei und überführt sie in raumgreifende Installationen aus Leuchtstoffröhren, Stellagen, Tüllstoff und Plexiglas. 2005 zeigte der 1951 geborene Künstler im Rahmen des Bremerhaven-Stipendiums die Bildperformance „Blast”. Glasplatten wurden mit Buttermilch und Pigmenten bemalt und auf Baustrahler gelegt. Zunächst entstand ein farbig glühendes Bodenrelief, bevor das Glas in nicht vorhersehbaren zeitlichen Abständen mit einem lauten Knall zersprang. Seine Farb- und Lichtinstallationen machen Malerei physisch erfahrbar. Letztendlich handelt es sich hier um die Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln. „Baozis” sind gefüllte Teigtaschen in China. Paul Schwer kam bei einem Besuch in Shanghai in den Genuss dieser kulinarischen Leckerbissen. Mittlerweile ist auch eine Werkgruppe gleichnamig betitelt: Kugelförmige Objekte aus PET-Platten, ein Kunststoff, der für die Herstellung von Plastikflaschen verwendet wird. Schwer hat Plexiglasscheiben eingefärbt und unter großer Hitzeeinwirkung anschließend verformt, wobei meist nur ein bis zwei Minuten Zeit bleiben, weil sich das Material sehr schnell wieder verfestigt. So entstehen ineinander verschlungene Gebilde, deren Form unberechenbar bleibt. Manche sehen aus wie zusammengeknüllter Abfall, andere haben eine fast organische Form. Der Zufall wird zum Partner, das Material pocht auf Eigenständigkeit. Sein Gastgeschenk für die Stadt Bremerhaven ist ebenfalls ein „Baozi” und besteht aus bemalten Kunststofffolien, geformt zu einer großen Kugel. Schwers prägnante Rauminszenierungen entfalten eine Präsenz wie suggestive Wirkung, bedrängen den Betrachter physisch und schränken seine Bewegungsabläufe ein.

Paul Schwer
2005/2006

Geboren 1951 in Hornberg (Schwarzwald)

ab 1971 Medizinstudium, Arbeit als Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Projekt UNART e.V., Kunst mit Psychiatriepatienten

1981 - 1988 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Erwin Heerich

1986 Meisterschüler bei Prof. Erwin Heerich

Lebt in Düsseldorf

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