Bremerhaven Stipendium

Tue Greenfort

 

Die Themen der Kunst sind so vielfältig wie die Kunst selbst. Tue Greenfort steht einer selbstreferentiellen Orientierung der Kunst skeptisch gegenüber und ebenso klassischen Themen wie Leben und Tod, Krieg und Frieden, die die Kunst seit Jahrhunderten begleiten. Der 1973 geborene Greenfort dockt Kunst an gesellschaftlich relevante Frage- und Problemstellungen an. Ökologie und Ökonomie, Wachstum und Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben sind Themen, um die seine Arbeiten kreisen. Die Arbeiten öffnen sich diskursiven Fragestellungen, allerdings ist ihnen linker Moralismus und Pathos fremd. Wie leider viel zu oft bei politisch orientierter Kunst geschehen, vernachlässigt Tue Greenfort keineswegs die formale Seite des Werkes. Weder zielen seine Arbeiten auf eine bloße Illustration von Umweltsünden globaler Gesellschaften noch bietet er Gesprächsstoff für alternative Gutmenschen. Sein Beitrag für die Sharjah Biennale 2007 thematisiert den Klimawandel. Greenfort erhöhte die Temperatur im Museum um 2 Grad, indem er die Klimaanlage des Hauses um 2 Grad drosselte. Oder der Künstler präsentiert pH-Teststreifen, die er dem sauren Regen ausgesetzt hat, in einem weißen Rahmen, sie erinnern an bunte Luftschlangen. Auch spürt er dem Müll in Neapel nach. Zwar sind die Müllberge im Zentrum Neapels verschwunden, doch einige Kilometer weiter ist alles beim Alten geblieben. Dort schoss er Fotos von vor sich hingammelndem Müll. Eine andere Serie von Fotos mit gelb lodernder Feuersbrunst gibt Hinweise, was mit dem Müll aus Neapel passiert ist. Über 30.000 Tonnen Abfall aus Neapel wurden in die Seestadt Bremerhaven transportiert und dort verbrannt. Hintersinniger Humor, absurde Szenarien, beängstigende Schönheit, augenzwinkernde Intelligenz kennzeichnen seine Videos, Fotografien, Installationen und Zeichnungen. Wie seine Vorgänger vermacht auch Tue Greenfort der Stadt eine Arbeit: Eine handelsübliche Euro-Palette, auf die er fein säuberlich Schlacke aus der Bremerhavener Müllverbrennungsanlage geschichtet hat und auf diese Weise lokale Eigenheiten des Ortes pointiert. Von der Formensprache weist diese Arbeit Affinitäten zur Minimal-Art und vom Material zur Land-Art auf. Statt Propaganda betreibt Greenfort subtile Aufklärung und unterbreitet dem Betrachter Angebote. Zweifellos lohnt es sich, das Angebot anzunehmen.

Tue Greenfort
2008

Geboren 1973 in Holbæk, Dänemark

1997 - 2000 Studium an der Akademie von Fünen, Dänemark, bei Prof. Jesper Christiansen und Prof. Lars Bent Petersen

2000 - 2003 Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule), Frankfurt am Main, bei Prof. Thomas Bayrle

Lebt in Berlin

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