Bremerhaven Stipendium

Alicja Kwade

 

Die Skulpturen, Videoarbeiten, Installationen von Alicja Kwade thematisieren gesellschaftliche, physikalische, ökonomische oder auch philosophische Phänomene, die unseren Alltag bestimmen. Ihre Arbeiten führen naturwissenschaftliche Gesetze ad absurdum, gesellschaftliche Vereinbarungen und kulturelle Übereinkünfte werden in Frage gestellt. Viele ihrer Werke suggerieren die Existenz einer Parallelwelt. Ob die Welt so ist wie sie ist oder ob sie auch eine andere sein könnte, ist ein wesentliches Credo, um das ihre Arbeiten kreisen. Zwei Schreibtischlampen der Marke Kaiser Idell – die eine schwarz, die andere rot – stehen sich gegenüber, bespiegeln sich selbst in einem dazwischen gestellten Spiegel und entwickeln so ihre eigene Parallelwelt. Oftmals sind alltägliche Dinge wie Bauhaus-Lampen, 1950er-Jahre-Uhren und Porzellan-Figurinen Reflexion und Basis ihrer ästhetischen Strategien. Jedoch sind diese Gegenstände keine Ready-mades, weder wird das Gefundene ohne Veränderung seiner äußeren Gestalt zum Kunstwerk erklärt noch durch einen bloßen Ortswechsel in die Sphäre der Kunst zum Artefakt erhoben. Vielmehr wird das spezifische Bedeutungsfeld der Dinge, wie es uns vertraut erscheint, negiert und fragwürdig. Kwade versucht das Unsichtbare sichtbar, das Unvorstellbare fassbar zu machen und findet ein sinnliches Pendant für abstrakte Phänomene. Die Uhr ist ein immer wiederkehrendes Motiv bei Alicja Kwade. Beispielsweise besteht die Installation „Durchbruch durch Schwäche” (2007-2011) aus einer Vielzahl alter Uhrgewichte. Die Gewichte hängen aufgrund der Schwerkraft an ihren Ketten gerade herunter. Aber einige der Gewichte scheinen durch den Boden hindurchzugleiten und gleichsam aus der Decke wieder herauszukommen. So gelingt es ihr, physikalischen Eigenschaften ein Schnippchen zu schlagen. Oder die mit „Watch (Mauthe)” betitelte Arbeit: Eine Uhr, bei der man in einen Spiegel schaut, statt auf ein Zifferblatt. Der Betrachter hört das stete Ticken, ein Symbol der fortschreitenden Zeit. Die Uhr funktioniert, dennoch gibt sie keine Auskunft über die aktuelle Zeit. Im übrigen ihr Gastgeschenk an die Stadt Bremerhaven.

Alicja Kwade
2011

Geboren 1979 in Katowice, Polen

1999 - 2005 Studium der Bildenden Kunst, Universität der Künste Berlin

Lebt und arbeitet in Berlin

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