Bremerhaven Stipendium

Nina Canell

 

Nina Canells Interesse gilt dem Unergründlichen, sie beschäftigt sich mit Aggregatzuständen und Transformationsprozessen. Ihre Installationen sind zwischen Technik und Natur angesiedelt, weder sind strenge naturwissenschaftliche Versuchsanordnungen intendiert noch die bloße Übersetzung naturwissenschaftlicher Phänomene in die Kunst. Elektrische Geräte gehen Verbindungen mit Wasser, Holz und Steinen ein, indem sich die einzelnen Materialien wechselseitig beeinflussen und ständig in Bewegung bleiben. Nicht das Resultat steht im Focus, sondern die Initiierung eines Prozesses. Nach dem Motto: Der Weg ist alles, das Ziel ist nichts. Beispielsweise die Arbeit „Another Ode to Outer Ends”: Ein mit Wasser gefülltes Becken wird durch einen Tongenerator in Schwingung gebracht, so dass Wasserdampf aufsteigt. Loser Zementstaub, der das Bassin auf großen Platten umgibt, nimmt den Dampf auf, der den Zement aufweicht, verformt und neu verfestigt. Somit finden stets Veränderungen statt. Alltagsgegenstände, natürliche und flüchtige Materialien wie Neonröhren, Stromkabel, Brotreste, Elektrizität fungieren als Gestaltungsmittel. Canell benutzt die Schwerkraft, um ihre Skulpturen zu formen, verbindet Licht, Luft und Wasser mit unterschiedlichsten Materialien und bedient sich ihrer wechselnden Aggregatzustände. Neben den physikalischen interessieren sie auch die poetischen Eigenschaften von Gegenständen und Fundstücken mit denen sie arbeitet.

Die Künstlerin thematisiert die Gegensätzlichkeit der Materialbeschaffenheit, um diese gleichermaßen Transformationsprozessen zu unterwerfen, so werden beispielsweise Zementabgüsse von Brötchen mit echten kombiniert. Die Arbeit „Distance Travelled” – ihr Geschenk an die Stadt – besteht aus einem benutzten Kaugummi auf einem Ziegelstein neben abgelatschten Einlegesohlen unter Glas. Auch diese fragile Installation behauptet ihre eigene Realität, das Verborgene wird sichtbar, ohne sämtliche Geheimnisse preiszugeben. So kann der Betrachter eine Reise antreten, sei es in die Welt der Naturwissenschaften, der Alchemie oder in die eigene Phantasiewelt.

Nina Canell
2012

Geboren 1979 in Växjö, Schweden 

Studium am Dun Laoghaire Institute of Art, Design and Technology, Irland

Lebt und arbeitet in Berlin
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