Bremerhaven Stipendium

Elisabeth Wagner

 

Gips, Papier, Draht und Pappmaché sind die bevorzugten Materialien, aus denen Elisabeth Wagner ihre Skulpturen formt und zusammenfügt. Zum einen verkörpern ihre Skulpturen Gegenstände, die uns in ihrer Alltäglichkeit vertraut sind wie Töpfe, Birnen und Taschen. Zum anderen sind diese Gegenstände den üblichen Blicken entzogen und der gewohnten Erfahrung entfremdet. Sei es durch ihre Größe und Materialität, sei es bereits durch ihre Präsenz und autonome Anwesenheit im Raum. So wird die uns vertraute Gegenständlichkeit in eine eigene skulpturale und bildhafte Wirklichkeit transformiert. Ambivalenzen stellen sich ein. Weder wollen ihre Skulpturen nur sein und nichts bedeuten noch eindeutige Geschichten erzählen. Weder erfüllen ihre Arbeiten das Postulat der Moderne nach materieller Beständigkeit noch zielen sie auf eine stetige Reduzierung des Formenvokabulars. Ihr Umgang mit dem plastischen Gestaltungsmaterial ist unprätentiös. Gebrauchsspuren bleiben sichtbar, aber drängen sich nicht narrativ auf. Der Herstellungsprozess ist nachvollziehbar, ohne sich in einer Selbstthematisierung zu erschöpfen. Somit entziehen sich ihre Arbeiten einem Skulpturenbegriff, der ausschließlich das Verhältnis von Balance, Volumen und Oberfläche befragt oder umstandslos die Erscheinungen der äußeren Welt abbildet. Vielmehr entstehen Spannungsfelder zwischen der früheren Alltäglichkeit der Skulpturen und ihrer neuen Wesenhaftigkeit. Vertrautes und Fremdes scheint miteinander zu ringen, mal überwiegt das eine, mal das andere. Hintergründig und transparent, streng und poetisch treten die Arbeiten auf, verweisen auf die eigene Gegenständlichkeit und die jeweiligen skulpturalen Handlungen. So wird die Skulptur auch Darstellungsform für Handlung.

Elisabeth Wagner
1995/1996

Geboren 1954 in Neuenstadt a.K.

1974 - 1978 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe

1978 - 1982 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg

Lebt in Hamburg, Stuttgart und Kiel

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