Bremerhaven Stipendium

Gregor Schneider

 

Vor 17 Jahren begann der heute 33jährige Gregor Schneider das Haus seiner Eltern in Rheydt in das gigantische Kunstobjekt „Haus ur” zu verwandeln. Äußerlich unauffällig, hat Schneider im Innern durch eine Fülle von Einbauten und Veränderungen ein unübersichtliches Labyrinth geschaffen. Er baut Räume vor Räume, setzt Fenster vor Fenster, Wände vor Wände, versetzt Decken und Böden, schafft Zwischenräume, lässt Räume um ihre eigene Achse drehen, verändert Maßstäbe und Proportionen. Und schafft auf diese Weise ein unergründliches Labyrinth, einen nicht mehr durchschaubaren, klaustrophobischen Parcours. Dabei folgt er keinem bestimmten Prinzip, sondern der Logik eines scheinbar nicht zielorientierten Handelns. Es entstehen Räume, die an physischer Direktheit und Intensität kaum noch zu überbieten sind. Ein Rigorismus, der in seiner Arbeit unmittelbar spürbar wird. Für Ausstellungen baut Schneider Räume oder ganze Raumfolgen Stein für Stein aus seinem Haus heraus und platziert sie im Kunstkontext, so seine Arbeit im deutschen Pavillon auf der letztjährigen Biennale. Neben den skulpturalen Arbeiten entstehen Fotoserien und Videos. Zum Beispiel dokumentieren die Fotos die Räume des Hauses in Zentralperspektive, zeigen Schnappschüsse von Zwischenräumen oder Eingriffe in Häuser außerhalb Rheydts. Seine Filme zeigen mit der Handkamera aufgenommene Einblicke in das Mysterium. Die Kamera fungiert als Auge des Künstlers, gibt Einblicke in versteckte Zwischenräume und lässt das Labyrinth erahnen. Die Skulptur mit dem Titel „Negativ-Kern” ist während des Aufenthaltes in Bremerhaven entstanden. Eine stachelige, kugelförmige Skulptur ist mit einem Strick an einem Holzbalken befestigt, der auf einem schmalen, senkrecht in die Höhe ragenden Tischgestell liegt. Vielerlei Materialien gelangen zum Einsatz: Gips, Glaswolle, Dämmplatten und zu guter letzt Farbe. Im tiefen Inneren der fast weißen Skulptur, hermetisch von der äußeren Welt abgeschlossen und nicht mehr wahrnehmbar: Blei mit schwarzem Pigment. Das Äußere wird zum Inneren, das Positive zum Negativen, die Arbeit erscheint wie eine von außen nach innen gedrehte Skulptur.

Gregor Schneider
1998/1999

Geboren 1969 in Rheydt

1989 - 1992 Studium an den Kunstakademien Düsseldorf, Münster und Hamburg

Lebt in Rheydt

zurück