Bremerhaven Stipendium

Katja Ullmann

 

Zwei Werkblöcke dominieren in der bisherigen Arbeit von Katja Ullmann. Neben den Wollskulpturen sind Zeichnungen entstanden. Inzwischen sind die Werkblöcke abgeschlossene Komplexe, die in dieser Weise nicht fortgesetzt werden. Ihre Skulpturen sind von innen nach außen gearbeitet, geprägt von monochromer Farbigkeit und eindringlicher Zurückhaltung. Ihre Zeichnungen umreißen Motive, die an Formen des weiblichen Geschlechts erinnern. Andere haben Bezüge zu Alltagsgegenständen, deuten Kleidungsstücke, eine Spirale, ein Netz oder fragmentarisch geometrische Formen an. Mal sind die Formen ins Zentrum gesetzt, mal nach oben oder unten verschoben. Virtuos setzt sie ihre Mittel wie Graphit, Buntstift und Tinte ein. Zum einen verwandelt sich die Starrheit minimalistischer Strukturen in die Leichtigkeit des Ungefähren. Zum anderen scheint das Ungefähre sich zu verfestigen. Regelmäßigkeiten werden von Abweichungen durchkreuzt, Abweichungen suchen nach Regelmäßigkeiten. Das eine relativiert das andere. Das Sichtbare verliert seine Verlässlichkeit. Reduziert in der Form, lapidar und präzise in der Ausführung, sensibel und poetisch in ihrer visuellen Erscheinung treten ihre Zeichnungen dem Betrachter gegenüber. Sie sind getragen von einer außergewöhnlichen Intensität, bilden emotionale Kraftfelder und erfordern eine besondere Aufmerksamkeit. Der flüchtige Blick findet keinerlei Halt. Keineswegs erschöpft sich die Wahrnehmung dieser Arbeiten in einer bloßen Unmittelbarkeit des Sehens. Vielmehr geht der Wahrnehmungsprozess über das empirisch Vorfindbare hinaus und ist eine Synthese von Sehen und Vorstellung.

Katja Ullmann
2001/2002

Geboren 1967 in Gross-Gerau

1987 - 1995 Studium und Assistenz an der Fachhochschule Mainz, Kommunikationsdesign

1995 - 2000 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt a.M. bei Christa Näher

Lebt in Berlin

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