Bremerhaven Stipendium

Leni Hoffmann

 

Leni Hoffmann arbeitete bereits gattungsübergreifend, bevor Crossover zum hoffähigen Label der Kunstkritik nobilitierte.  Ihre Installationen loten die Grenzbereiche zwischen Malerei und Skulptur, Wand und Raum, Raum und Betrachter aus. Die 1962 geborene Künstlerin setzt sich mit spezifischen Orten und deren Funktion auseinander. Sie entgrenzt die uns vertrauten Materialien der Kunst und bevorzugt stattdessen Rauhputz, Asphalt, Stromkabel und handelsübliche Knetmasse, die sie per Hand auf unterschiedliche Gründe wie Wände, Böden, Fensterflächen aufträgt. So entstehen farbig leuchtende Wandarbeiten, mal als monochrome Farbfelder, mal raumgreifend konzipiert oder versteckt angebracht und dem unmittelbaren Blick des Betrachters entzogen. Sowohl die klassischen Parameter des Tafelbildes als auch die skulpturaler Strategien wie Volumen, Oberfläche, Innen und Außen werden gekonnt in Frage gestellt. Ausgehend von kreisförmigen Anordnungen am Boden ranken sich farbig ummantelte Elektrokabel wie Arabesken an der Ausstellungswand empor. Mit spielerischer Leichtigkeit tritt uns diese Arbeit gegenüber, der Zufall scheint zu dominieren. Ambivalenzen stellen sich ein: Zum einen hat sie etwas Zeichnungshaftes und Skriptuales, obwohl nicht Graphit oder Farbe als Material eingesetzt wurde, sondern Elektrokabel aus dem Baumarkt. Zum anderen finden sich skulpturale Elemente. Die üblichen kategorialen Gewohnheiten, nach denen wir die Kunst gern in desparate Disziplinen einteilen, scheitern spätestens hier. Demnach sind ihre Arbeiten weder Malerei, Zeichnung noch Skulptur, weder das eine noch das andere. Eine scheinbare Unentschiedenheit, die allerdings die Entschiedenheit ihrer Konzepte offen legt. Die Arbeit „Marina”, die sie dem Verein Kunst und Nutzen als Gastgeschenk übergab, besteht aus Kabeltrommeln nebst farbigen Kabeln unterschiedlicher Stärke - das Material, aus dem das Kunstwerk entstehen soll. Ein Kunstwerk auf Abruf. Leni Hoffmann findet zu Neuformulierungen, die sich nicht als Eintagsfliegen, sondern als tragfähige Konzepte erweisen. Auch bezieht die Künstlerin Passanten, Kollegen oder Mitarbeiter von Institutionen in ihre Projekte ein und relativiert somit das Prinzip alleiniger Autorenschaft.

Leni Hoffmann
2003

Geboren 1962 in Bad Pyrmont

1982 - 1987 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg

2002 ordentliche Professorin für Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe

Lebt in Düsseldorf und Nürnberg

zurück